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Aber: In Sachen Digitalisierung hinkt Deutschland anderen Ländern weit hinterher

Er zählt international zu den bekanntesten Experten in Fragen zu den Auswirkungen der Digitalisierung: Dr. Eike Wenzel, der Gründer des Instituts für Trend- und Zukunftsforschung (itz), Heidelberg. Beim Kongress „Gesundheit und Pflege auf Zukunftskurs – Ideen und Beispiele für die Versorgung“ in Mainz machte er die Veränderungen in der Medizin zum Thema.

Seine wichtigsten Thesen: Neben Klimawandel, Ungleichheit, Energiewende und Dezentralisierung zählt das Thema Gesundheit in den nächsten 30 bis 50 Jahren zu einem der 15 Megatrends. Diesen Entwicklungen kann sich keiner entziehen.

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) wird die Menschlichkeit in der Medizin nicht verdrängen. Im Gegenteil. KI wird die Medizin in den kommenden Jahren noch persönlicher und präziser machen.

Digitalisierung kann Diagnostik und Therapie unterstützen

Der technische Fortschritt kann die Arzt-Patienten-Kommunikation verbessern und Diagnostik sowie Therapie unterstützen.

Noch nie war so viel Veränderung durch Technologie möglich, noch nie hat Technologie so stark in unseren Alltag eingegriffen. Trotzdem ist die Gesellschaft auch noch nie so zukunftsverzagt wie heute gewesen.

Wenzels Forderung: „Wir brauchen als Gesellschaft eine Vision: Wo wollen wir in zwanzig Jahren sein, was wollen wir jetzt?“ Die Gesellschaft müsse entscheiden: „Wo sollen uns Technologien helfen? Wo soll weiter menschlicher Geist eingesetzt bleiben?“,

Digitale Lösungen kommen noch selten zum Einsatz

In Deutschland, kritisierte der Trendforscher, habe man es bis heute noch nicht einmal geschafft, die Gesundheitskarte zu etablieren. Und auch in der KI hinke Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern weit hinterher. Online-Sprechstunden, Online-Patientenakten, telemedizinische Überwachungen, Online-Terminvereinbarungen, Auftritte in sozialen Netzwerken – digitale Lösungen kämen Untersuchungen zufolge in Krankenhäusern oder Praxen bislang kaum zum Einsatz.

Ob automatisierte Diagnostik zur Krebsfrüherkennung, Soforterkennung von Blutgerinnseln, selbstlernende Programme zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen – Software oder Apps wiesen bereits jetzt eine hohe Qualität auf. Die rasanten Entwicklungen in der Gensequenzierung würden in Zukunft mehr und mehr eine personalisierte Medizin erlauben.

Digitalisierung und KI in der Medizin würden mindestens in den nächsten zwei Jahrzehnten keine Jobs vernichten, zeigte sich der Trendforscher überzeugt. Höchstens einzelne Berufsgruppen, wie etwa Radiologen, könnten ersetzbar werden. Der Einsatz von KI in der Medizin werde es ermöglichen, medizinische Entscheidungen besser, schneller und individueller treffen zu können.